GeoVirtual Geschichte der Atacama Region (Chile)
Forscher und Reisende
Rodulfo Philippi  in Copiapó (1853)
Museo Virtual
W.Griem (2004)
deutsch / español

Original Text: Rudolph Philippi in Copiapó

Copiapó:

Wir stiegen in dem sehr guten französischen Gasthofe ab und blieben bis zum 3. Dezember (1853).
(...)
Copiapó oder, wie es eigentlich heißt, S. Francisco de la Selva — der Wald, welcher ehemals der Stadt den Namen gegeben zu haben scheint, existiert längst nicht mehr — ist die Hauptstadt der im Jahr 1843 durch Dekret vom 31.Oktober errichteten Provinz Atacama (die Stadt Atacama liegt in Bolivien), welche früher zur Provinz Coquimbo gehört hatte, und mag zehn- bis zwölftausend Einwohner zählen. Sie liegt am Nordufer des Flusses Copiapó, der nur in seltenen Fällen beim Örtchen gleichen Namens das Meer erreicht; meist versiegt er viel früher, oder wenn man lieber will, er mündet in die Atmosphäre und in zahlreiche Bewässerungskanäle. Sein Wasser enthält sehr viele salinische Bestandteile, namentlich schwefelsaures Natron, und der Fremde, der in diese Gegend kommt, leidet daher gewöhnlich in der ersten Zeit an Durchfall.

Copiapó hat viele hübsche, sehr geschmackvolle Häuser und darunter trotz der Häufigkeit der Erdbeben viele zweistöckige. Die Bauart ist ungemein leicht. Hütten, Schuppen, Ställe und dergleichen werden aus einem Rahmen von schwarzem Holz errichtet, der mit Schilf ausgefüllt wird. Gegen dieses Schilf wird von beiden Seiten Lehm oder Straßenkot, was auf eins herauskommt, geschmiert, und auf dieselbe Weise wird das Dach gemacht, welches geneigt ist. Man begreift, dass dergleichen Gebäude in großer Gefahr sind einzustürzen, wenn einmal der Fluss austritt und die Straßen überschwemmt, was alle Jahrhundert einmal vorkommt. Die Hauptmauern der bessern Wohnhäuser sind freilich dicker und solider, meist von Luftsteinen ausgeführt, aber die Scheidewände der Zimmer sind oft ebenso dünn und auf die gleiche Weise gebaut.

 

Die Plaza von Copiapo in Chile - Zeichnung von R.A. Philippi (1853)
Möglicherweise das bekannteste Bild von Philippi: Die Plaza von Copiapó um 1853/54.
in groß

 

Der Text wurde digitalisiert, in ASCII umgewandelt, bearbeitet und teilweise der aktuellen Rechtschreibung angepasst von Dr. Wolfgang Griem.

1
"...der Wald, welcher ehemals der Stadt den Namen gegeben zu haben scheint, existiert längst nicht mehr..."

Einen richtigen Wald hat  wahrscheinlich auch nie gegeben. Die klimatischen Verhältnisse und die gelegentlich auftretenden Starkregenfälle mit den verbundenen Hangrutschungen und Gerölllawinen lassen eigentlich keinen dauerhaften Waldbewuchs zu. Es muss vielmehr von einem Dickicht aus mittelhohen Chañarbäumen ausgegangen werden.   

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2
"Copiapó hat viele hübsche, sehr geschmackvolle Häuser und darunter trotz der Häufigkeit der Erdbeben viele zweistöckige."

Diese Aussage steht etwas im Widerspruch zu den Beobachtungen von Paul Treutler um 1851. Er beschreibt Copiapó wie folgt:
Treutler bei seinem Aufenthalt um 1851 (>): "Aus Rücksicht auf dieses grausenerregende Phänomen gab es hier auch nur sehr wenige zweistöckige oder aus Ziegeln erbaute Häuser..."

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3
"Gegen dieses Schilf wird von beiden Seiten Lehm oder Straßenkot, was auf eins herauskommt, geschmiert,..."

Die Herstellung des Lehms zum Häuserbau wird hier etwas polemisch vereinfacht. Es wurden etwa 30 cm tiefe Gruben ausgehoben und mit Wasser gefüllt. Dann wurde beurteilt ob der Lehm auch taugt - dies geschah mit Hilfe der "Würstchenmethode" was bedeutet, dass kleine geformte Lehmschlangen etwa zwischen 7 bis 10 cm ohne brechen standhielten. Danach wurde noch die Brea-Pflanze zugegen.

 

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(*Publiziert am 18.11.2004)
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