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Geschichte der Region Atacama (Chile) Hermann Burmeister: Fahrt mit der Eisenbahn von Copiapó nach Caldera um 1859/60 |
Museo Virtual W.Griem (2004) deutsch / español |
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Hermann Burmeister um1859/60 Zugfahrt Copiapó – Caldera Den 1. April fuhr ich mittags 1 Uhr von Copiapó auf der Eisenbahn nach Caldera, dem neuen, seit 1842 angelegten Hafen der Stadt, 18 Leguas (75km) entfernt. Man zahlt 3 Pesos in der ersten Klasse und 4 Real für jedes Gepäckstück mittlerer Größe. Der Zug fährt 3 Stunden und ist gegen 4 Uhr in Caldera. Die Gegend behält den Charakter wie bisher. Anfangs ist das Tal ziemlich eng, namentlich enger als bei Copiapó (1), wo sich im Norden von der Stadt eine sanft ansteigende, ziemlich ausgedehnte, aber völlig kahle, trostlose Ebene als Ausmündung einer Schlucht befindet, durch welche die Straße über Llampos und Puquios nach dem Minendistrikt von Tres Puntas in der Nähe der Kordilleren führt. Darin liegen die Ranchos des ärmsten Teils der Bevölkerung, größtenteils Indianerabkömmlinge, welche als eine besondere Vorstadt den Namen Pueblo del Indio führen. Man sieht von der Stadt weit in die Schlucht hinauf und erkennt die Öde der dortigen Gegend daran deutlich (2). Hat man die Enge unterhalb Copiapó passiert, so wird das etwas weitere Tal ganz hübsch. Man sieht fleißige Bodenkultur, namentlich Obstgärten und Kleefelder, von schlanken Weidenreihen eingefasst, mitunter auch ausgedehnte natürliche Weideplätze mit Vieh in der Nähe des Flusses, der sich im Süden von der Bahn befindet. So kommt man von Zeit zu Zeit durch dorfartige Ansiedlungen nach der letzten bewohnbaren Stelle des Tales, welche den Namen Piedra Colgada führt und etwa 4 Leguas (17 km) von Copiapó entfernt ist.(3) Unterhalb dieser Station erweitert sich das Tal schnell zu einer nur in der Ferne von kahlen Felsenpartien begrenzten Ebene, die nichts anderes als eine Salzsteppe, ja eine förmliche Wüste ist. Loser Flugsand bildet den Boden, hie und da mit weißen Salzkrusten überzogen, aber ohne alle Vegetation, ohne einen einzigen Strauch, ja ohne eine Pflanze auf dem nackten, heißen, von der Sonne verbrannten Boden, ein wahrhaft trostloser, in jeder Hinsicht drückender Anblick (4). Vom Seewind, der bis nachmittags hier und in Copiapó täglich weht und oft recht unangenehm werden kann durch den feinen Staub, welchen er in den zum Teil noch nicht gepflasterten Straßen emporhebt, fortwährend angeblasen, saßen wir in den geschlossenen Waggons wie in einer Backstube, nicht sowohl wegen der Hitze als auch wegen des Staubes, der durch alle Fugen hindurch drang und uns wie Bäckergesellen färbte. Förmlich weißgelb wurden unsere Kleider und ebenso unsere Haut von den anklebenden Staubmassen. Und das muss man gegen 1 1/2 Stunden aushalten.
Zwar gibt es auf dieser ganzen Strecke bis zum Meer kein Haus mehr, wo Passagiere einsteigen könnten. Aber man hält doch mehrere Male an, um Wasser für die Maschine einzunehmen, das in dieser Strecke sehr schwer zu haben ist. Einige Leguas unterhalb Piedra Colgada versiegt der Fluss und zeigt seine Spur nur in dem Kies des trockenen Bettes, das eine Zeitlang durch die ebenso flache Ebene zieht Auch wendet sich die Bahn vom Fluß ab nach Nordwesten und berührt hier noch einmal eine beträchtliche dorfartige Ansiedlung, Monte Amargo, 9 Leguas (38 km) von Copiapó, auf halbem Wege der Bahn, nach Philippi in 403 Fuß (125 m) über dem Meer gelegen. Der Fluß hat sich inzwischen etwas südlicher gewendet, er steuert jetzt ziemlich rein westlich nach der Gegend des alten Hafens von Copiapó dem Meer zu, erreicht dasselbe aber nicht, weil schon lange vorher all sein Wasser verschwunden ist. Bald unterhalb der Haltestelle bei Monte Amargo gewahrt der Reisende, zumal wenn er Naturforscher ist, ein sehr interessantes Phänomen: den alten Meeresboden mit zahllosen Muscheln und Schneckenschalen, welche noch so daliegen, wie sie der zurücktretende Ozean bei seinem Scheiden gelassen hat, wenn nicht, wie das stellenweise geschah, der Mensch sie wegnimmt, um Kalk für seine Häuser daraus zu brennen. Man ist hier noch gegen fünf Leguas (21 km) von der Küste entfernt und ziemlich 400 Fuß (125 m) über dem Meeresspiegel. Diese Muscheln gehören der historischen Periode unseres Erdkörpers, das heißt der Gegenwart an und finden sich noch lebend in dem nahen Meer. Sie beweisen, dass sich das Land um so viel aus dem Meer emporgehoben hat, als wie weit diese Muscheln gegenwärtig auf dem Trockenen liegen. Man kennt dieses Phänomen seit langer Zeit, namhafte Geognosten haben sich mit seiner genauen Untersuchung beschäftigt; besonders hat Darwin in seinen mehrmals erwähnten Geological Observations on South-America im zweiten Kapitel darüber ausführlich gehandelt. Während der Wagen am letzten Haltepunkt, 2 Leguas (8,5 km) von Caldera, in 350 Fuß (108 m) Höhe über dem Meer hielt, eilte ich schnell heraus und steckte mir die Taschen voll von diesen Muscheln. Mehrere glückliche Griffe führten mir eine hübsche Portion in die Hände. Ich sprang auf den Fußtritt, als der Wagen schon weiterfuhr, aber kein Beamter kümmerte sich um mich, man ließ mich gewähren, als ob niemand mein Treiben zu beachten hätte. Was würde man dazu auf einer deutschen Eisenbahn gesagt haben! Nach 10 Minuten fuhr der Zug in das große Gebäude des Bahnhofs von Caldera hinein, hart am Wasser auf einer kleinen Fläche kaum 10 Fuß (3,10 m) über dem Meeresspiegel gelegen, dicht neben steilen, schwarzgrauen, plutonischen Felsgruppen, welche die 36 Fuß (11 m) höher gelegene Ebene stützen, worauf die Gebäude des Städtchens stehen. Auf breiten hölzernen Treppen steigt man unmittelbar vom Hof der Eisenbahn hinan und begibt sich neben dem eleganten und großen Hafengebäude (Capitania del puerto) vorbei in das dahinter gelegene erste Hotel, welches von einem Italiener gehalten wird und mit Recht gelobt werden kann, obgleich die Preise hoch sind, noch höher als in Copiapó, das wenigstens noch vor kurzem einer der teuersten Plätze Südamerikas war. Indessen habe ich es in Lima noch teurer gefunden (5).
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Am Ende seiner großen Südamerika
Expedition gelangte Hermann Burmeister 1859/1860 von Argentinien kommend
nach Copiapó, um von dort mit der Eisenbahn nach Caldera weiterzufahren.
Von Caldera reiste er zurück nach Europa. ►═════◄
2) Hier hat sich Burmeister wahrscheinlich etwas geirrt: Richtig ist: es gab einen Weg nördlich von Copiapó über einen großen Llano (Chamonate) nach Tres Puntas. Aber: Das "Pueblo de Indio" lag im Süden von Copiapó und den Weg den er beschreibt entspricht eher der Einmündung der Quebrada Paipote, welches zu dieser Zeit (bis heute) die Hauptstraße nach Llampos und Tres Puntas war. Wahrscheinlich hat Burmeister die Qda. Paipote mit dem "Pueblo de Indio" auf seiner Fahrt von Pabellón nach Copiapó gesehen.
3) Es kann vermutet werden,
dass in den Bereichen "Fundo San Pedro" , "Monte Amargo" oder "Hacienda
Maria Isabel" allesamt unterhalb von Piedra Colgada gelegen schon Ackerbau
und Viehzucht betrieben wurden.
4) So sieht es heute in dem Bereich immer noch aus: Schlechter Boden, Dünensande und versalzene Bereiche. Es gibt kaum landwirtschaftliche Betriebe. Nur einige, wenige Bereiche zeigen eine etwas bessere Bodenqualität. Hier werden heute vornehmlich Oliven angebaut.
5) |
►═════◄ Beschreibung der Strecke
Caldera - Copiapó
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BURMEISTER, H. (1875): Die Süd-Amerikanischen
Republiken Argentinien, Chile, Paraguay und Uruguay nach dem Stande der
geographischen Kenntnis in 1875 nach Originalen und offiziellen Quellen
karthographisch dargestellt von A. Petermann.
Der Text wurde digitalisiert,
in ASCII umgewandelt, bearbeitet, und teilweise der aktuellen Rechtschreibung
angepasst von Dr. Wolfgang Griem. Falls Sie über alte Fotos, oder sonstiges (historisches) Material der Atacama Region verfügen würden wir uns sehr freuen dieses in unsere Seiten implementieren zu dürfen: Kontakt |
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